Meine Kolumne in der Frühjahresausgabe von Tante Fine

Echte Gipfelfreuden

Kolumne von Tante Fine Redakteurin Corina Kölln

Es fing alles mit meiner blümeranten Vorstellungskraft an. Und mit der Fernsehserie „Der Bergdoktor“, die ich natürlich nur vom zufälligen „Reinzappen“ kenne. Da war da diese Hütte in einer traumhaften Landschaft, mit den Geranien davor – ein perfektes Bild für meine Idee von Hüttenromantik. Ich sah mich, nach einer anstrengenden Wandertour, leckeren Kaiserschmarrn essen, bevor ich meine müden Knochen in einem altbackenen Vollholzbett wohlverdient ausruhe. Diese Illusion war der Realität zu banal! Mein erstes Bergabenteuer war anstrengend. Um ehrlich zu sein: sehr, sehr anstrengend! Schweißtreibender, als mein schrecklichster Zahnarztbesuch (drei Weisheitszähne gezogen), die erste verschmähte Liebe in der 8. Klasse (Ich werde dich niemals vergessen, Florian) und das Rückwärtseinparken bei meiner praktischen Führerscheinprüfung (natürlich habe ich den Porsche rechtzeitig gesehen). Aber ich wollte das ja so! In drei Tagen hoch zur Zugspitze! Ihr habt richtig gehört, ich bestieg gleich den höchsten Berg (circa 3000 Meter) Deutschlands. Warum klöppeln, wenn man klotzen kann. Schlimm ist Definitionssache. Im Nachhinein fällt mir kein Wort ein, das gebührend den Gefühlszustand beschreiben könnte, wie es sich anfühlt, mit 10 Kilo Gepäck auf den Rücken und unter Einsatz aller vorhandenen Körperteilen, am Klettersteig festzuhängen. Was habe ich geflucht und gejammert – jeder vorhandene Muskel, auch die, deren Bekanntschaft ich erst vor Ort machte, tat weh. Mir blieb nichts Anderes übrig, als weiterzugehen. Wo hätte ich auch bleiben sollen? In der Hütte angekommen, war Geduld gefragt. Überhaupt nicht meine Stärke! 40 Wanderer und eine Dusche! Da wird die Fernfahrerdusche auf einmal richtig attraktiv. Massenmatratzenlager – ist genauso, wie es sich anhört und der Begriff hautnah nimmt hier ganz konkrete Formen an. Passend, das liebgemeinte Betthupferl mit Akkordeon des Herbergsvaters und die Ermahnung: „Guts Nächtle und die Hände net ans Gschlechtle!“. Der Kaiserschmarrn war immer aus und oft gab es nur noch ein einziges Gericht zur “Auswahl“. Um es kurz zu machen: all diese Erfahrungen möchte ich nicht missen und ich wäre jederzeit bereit, es wieder zu tun! Warum? Ganz einfach: Nirgendwo lernte ich härter und besser, mich durchzubeißen, Situationen auszuhalten und das Beste draus zu machen. Ich kann ehrlich sagen, ich bin über mich hinausgewachsen! Zu erleben, dass die Natur so mächtig und wichtig für uns ist, und wir ein Teil von ihr sind, war grandios. Als ich dann auf dem Gipfel stand, mit Freudentränen in den Augen und die Kraft der Berge in mir spürte, wusste ich: all die Strapazen haben sich mehr als gelohnt. Sofort gab es ein Selfie in der beeindruckenden Kulisse und ich hätte nie gedacht, dass mir drei Tage lang Spaghetti mit Tomatensoße und schlaflose Nächte so gutstehen.

 

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vor 5 Monaten