Kolumne Corina Kölln

Meine Kolumne in der Sommerausgabe von Tante Fine

Laute Stille

Kolumne von Tante Fine-Redakteurin Corina Kölln

Wer glaubt, Schweigen ist eine leise Angelegenheit, der irrt. Und zwar ganz gewaltig! So wie ich, als ich mich spontan und völlig unvorbereitet zu einem Exerzitien-Kurs angemeldet hatte. Wikipedia sagt(e): Exerzitien sind geistliche Übungen, die abseits des alltäglichen Lebens zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit sich und dem Göttlichen führen sollen. Aha! Das klingt gut, das mache ich jetzt mal, dachte ich naiv. Doch was das konkret in Form von sechstägigem Schweigen (kein Fernseher, kein Buch und ohne Handy!) bedeuten, tief in mir bewirken würde, darauf war ich in keiner Weise gefasst. Ich kam also in dem friedlich gelegenen Kloster als (kaum bis nichtpraktizierende!) Katholikin an und war beruhigt zu erfahren, dass es keine Bedeutung hatte, ob man mit der Kirche „cool“ war oder nicht. Jeder kommt hierher, weil er ein Thema habe und das sei viel wichtiger, meinte die Leiterin des Exerzitien-Kurses. Puh! Die erste Hürde war schon einmal geschafft. Und was mein Thema war, würde ich schon noch erfahren. Oh ja! Einzelzimmer – das war klar, aber überwiegend ALLEINE den Tag (und ja auch den Abend) zu verbringen und zu spüren, wie sich diese Isolation und Stille anfühlt und was für einen „inneren Lärm“ (so laut wie eine zwölfköpfige, südländische Familie beim Mittagessen) dieser Zustand verursacht – das war mein ganz persönlicher Urknall! Apropos Mittagessen … ohne zu reden mit einer Gruppe aus fremden Menschen am Tisch zu sitzen, ist anfangs echt schwierig. Und da habe ich dann resigniert und den mir gereichten Schokopudding gegessen, obwohl mein Finger ganz eindeutig auf die Käseplatte zeigte. Sobald ich den ganzen “Lärm“ durch Wanderungen, Mediation, in den Fluss starren, Tagebuch schreiben, Seelenbilder malen geordnet hatte, konnten in mir neue Erkenntnisse heranreifen und für eine Neuausrichtung in meinem Leben sorgen. Ach, war das wunderbar! Die Erfahrung zu machen, wie sensibel die eigene Wahrnehmung durch das Nichtsprechen wird, war grandios. Mir wurde zum ersten Mal so richtig bewusst, mit wie viel Blödsinn man sich im Alltag beschäftigt. Und dass wir natürlich auch ohne zu sprechen viel erzählen können. Ich habe häufig ganz genau gespürt, wie sich andere Kursteilnehmer fühlen und so haben wir uns dann gegenseitig mal in die Arme genommen. Das hilft ungemein. So alleine waren wir dann also doch nicht. Ach so, und was mein ganz persönliches Thema war, nun ja, es gibt ja schließlich das Beichtgeheimnis …

 

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vor 1 Monat