Zwischen zwei Welten

Sie ist Zugang, Eingang und Ausgang. Verschlossen. Offen oder angelehnt. – Eine Tür stellt die Grenze zwischen der Innen- und Außenwelt dar.

Mich faszinieren Türen. Farben, Formen, das Material, ihre Symbolik – ihre vielfältigen Erscheinungsbilder. Wenn ich unterwegs bin, dann halte ich Ausschau nach originellen Türen und fotografiere die, die mir etwas erzählen wollen. Was sich hinter den meisten Türen verbirgt, werde ich allerdings niemals erfahren und das finde ich sehr spannend. Schließlich versteckt sich hinter jeder Tür ein kleines Geheimnis und ich kann so schön meiner Fantasie freien Lauf lassen und mir die ein oder andere Frage selbst kreativ beantworten. Das ist ein lustiges Spiel. Wer hat sie ausgesucht und warum genau diese? Wer hat sie entworfen, geplant und schließlich gebaut? Wie viele Menschen gingen bereits hindurch? Zu wem wurde gesagt: „Ich bring dich noch!“? Wer hat sie zornig zugeschlagen? Wer sich heimlich herausgeschlichen?

Die Geschichte der Tür reicht viele tausend Jahre zurück. Ebenso viele Geschichten könnte jede einzelne Tür wahrscheinlich erzählen. Über Vertraulichkeiten, Intrigen, Lauscher, ganze Lebensgeschichten mehrerer Generationen und nicht zuletzt der Tatsachenbericht einer Notausgangstür, die häufig irrtümlich benutzt wird. Also hat die Tür schon viel erlebt und ist bestimmt sehr weise. Deshalb darf sie als Symbol fungieren und uns in Aphorismen versprechen: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich dafür eine andere. Oder ermahnen: Wer sich alle Türen offen hält, steht ewig im Flur. Ich mag diese zwei Sprichwörter, die mir selbst schon geholfen haben. Sie sind ganz simpel und klar. Für mich persönlich stehen geöffnete Türen ebenfalls für einen neuen Weg, der gegangen werden möchte. Geschlossene Türen erlebe ich als Mutmacher, diese zu öffnen und zu schauen, welche neue Welt sich dahinter für mich auftut.

Ein einfacher Alltagsgegenstand wird zum vielfältigen Wegbegleiter indem er Zugang zu spirituellen Impulsen schafft, Ausgang für schöne Fotomotive bietet und seit jeher Eingang unseres eigenen Refugiums ist.

Türen auf dem Beitragsfoto: links oben, Cinque Terre (Italien), links unten, Bad Brückenau (Bay. Rhön), mittig, Sommerhausen (Unterfranken), rechts oben, Bad Kissingen (Bay. Rhön), rechts unten, Umbrien (Italien).

 

vor 3 Monaten